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Das Ertragswertverfahren basiert auf dem Barwert der Investitionsrechenverfahren. Für das investierte Geld erwartet der Investor eine angemessene Verzinsung. Die Verzinsung bei einer Unternehmensbeteiligung ist der erwirtschaftete Gewinn. Der Gesamtwert eines Unternehmens errechnet sich durch die Abzinsung des bereinigten Gewinns. Das Ertragswertverfahren ist das am häufigsten angewendete Verfahren.
a) Vergangenheitsbezogene Ertragswertverfahren Den tatsächlichen Erfolg der Unternehmenstätigkeit ermitteln Sie durch die Bereinigung des Jahresüberschusses um außerordentliche Geschäftsvorfälle. So überdeckt beispielsweise der Verkauf eines nicht betriebsnotwendigen Grundstückes einen unternehmerischen Verlust aus der eigentlichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Das Gleiche gilt auch für den umgekehrten Fall. Der bereinigte Gewinn errechnet sich wie folgt:
Jahresüberschuss+ Außerordentliche Aufwendungen - Außerordentliche Erträge |  | | = Bereinigter Gewinn |
Auf der Basis der Kapitalisierungsformel zinsen Sie den bereinigten Durchschnittsgewinn der letzten drei bis fünf Jahre mit dem Kapitalisierungszinssatz ab.
| Ertragswert = | | Bereinigter Gewinn • 100 |  | | Kapitalisierungszinssatz |
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Der Kapitalisierungszinssatz errechnet sich aus der Verzinsung einer sicheren Geldanlage (z. B. Bundesanleihen, Pfandbriefe) plus einen Zuschlag für das unternehmerische Risiko. Der Zuschlag für das unternehmerische Risiko hängt primär von der Branche des Unternehmens ab. In der Praxis variiert der Kapitalisierungszinssatz für kleine und mittlere Unternehmen zurzeit zwischen 6 und 12 %. Da die Risikozuschläge bei kleinen und mittleren Unternehmen in der Regel pauschal erfolgen, ist es empfehlenswert mit einem Best-case und einem Worst-case-Szenario die Kaufpreisbandbreite zu ermitteln.
Beispiel: Beträgt der durchschnittliche bereinigte Gewinn in den letzten vier Jahren 60.000 € und der Kapitalisierungszinssatz 8 %, so errechnet sich der Kaufpreis wie folgt:
| 60.000 € • 100€ |  | | 8 |
| = 750.000 |
Diese Vorgehensweise unterstellt, dass der Gewinn in Zukunft (bis in aller Ewigkeit) konstant bleibt. Aber das ist in der heutigen Zeit unrealistisch. Ferner ist der Investor als zukünftiger (stiller) Gesellschafter, mehr an der zukünftigen Gewinnerwartung des Unternehmens interessiert. Hier knüpft das zukunftsbezogene Ertragswertverfahren an.
b) Zukunftsbezogene Ertragswertverfahren Beim zukunftsbezogene Ertragswertverfahren ersetzen Sie den „bereinigten“ Gewinn durch den zu „erwartenden“ Gewinn. Die Ermittlung des zu erwartenden Gewinns läuft in vier Schritten ab.
1. Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung der letzten drei bis fünf Jahre 2. Aufbau einer zukünftigen Umsatz- und Kostenstruktur nach Umstrukturierung bzw. Sanierung des Unternehmens durch den Investor 3. Ermittlung des zu erwartenden Gewinns 4. Berechnung des zukunftsbezogenen Ertragswertes
G1, G2,..., Gn = zukünftiger Gewinn des 1., 2.,..., n-ten Jahres Ln = Liquidationserlös durch Verkauf des Unternehmens im Jahr n. q = 1 + Kapitalisierungszinssatz (z.B. bei 7 %: 1 + 0,07 = 1,07). Die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes erfolgt hier wie oben bereits beschrieben.
Achten Sie daher darauf, welches Verfahren bei der Unternehmenswertermittlung vereinbart wird. Berücksichtigen Sie bei der Beurteilung der zukünftigen Gewinne die folgenden Aspekte:
• Entwicklung der Branche • Image und Bekanntheitsgrad des Unternehmens bzw. seinen Produkten • Vorhandenes Know-how / Patente • Eingespielte Ablauforganisation • Treuer Kundenstamm
Der Barwert des Ertragswertverfahrens unterstellt eine unrealistische, unbefristete Kapitalisierung der zu erwartenden Gewinne. Mit dem so genannten Staffelverfahren wurde eine praxisnahe Lösung entwickelt. Sie trägt mit dem Ansatz von unterschiedlich hohen Zinssätzen zusätzlich dem Risikoaspekt Rechnung, da die zu erwartenden Gewinne in fernerer Zukunft einem höheren Risiko unterliegen. Eine solche Staffelung sieht wie folgt aus:
• 1. bis 5. Jahr: 7 % Kapitalisierungszinssatz • 6. bis 10. Jahr: 9 % Kapitalisierungszinssatz
Da die Kaufpreisunterschiede zwischen der Staffelmethode und dem Ertragswertverfahren groß sind, wird der Investor häufig auf die Anwendung des Staffelverfahrens zur Unternehmenswertberechnung bestehen.
Eine Tabelle mit Abzinsungsfaktoren steht als PDF-Datei zu Ihrer Verfügung. Die Tabelle ist dem Lernheft Investition (INV1) von unserem Kooperationspartner Studiengemeinschaft Darmstadt (sgd) entnommen. |
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