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Brasilien bietet Chancen im Agrarsektor für Auslandsinvestitionen


Land profitiert von ausgezeichneten Produktionsbedingungen
(Ibero-Amerika Verein, 30.11.2005) Brasilien ist heute unbestreitbar eine Supermacht im Agrargeschäft. Als Exporteur steht das südamerikanische Land bei Geflügelfleisch, Kaffee, Orangensaftkonzentrat, Rindfleisch, Sojabohnen und Zucker weltweit an erster Stelle. Auch bei anderen Agrarerzeugnissen, wie Tabak und Schweinefleisch, nimmt Brasilien eine Führungsposition ein.

Wichtigster Abnehmer für brasilianische Agrarprodukte ist nach wie vor die EU mit einem Anteil von 41 %. Die größten Ausfuhrzuwächse werden allerdings in Märkten wie China und Rußland registriert. Der Schwerpunkt der Ausfuhren verlagert sich zusehends von tropischen auf nichttropische Agrarprodukte.

Ursache für die hohe Wettbewerbsfähigkeit des brasilianischen Agrobusiness-Sektors sind fast ausschließlich die günstigen klimatischen Bedingungen und die fruchtbaren Böden dieses südamerikanischen Landes. Staatliche Subventionen spielen nur eine untergeordnete Rolle: Nach einer Untersuchung der OECD sind sie im Durchschnitt mit lediglich 3 % an den Endverkaufspreisen beteiligt. Das ist nicht einmal ein Zehntel der Subventionen, die die Industrieländer ihren Landwirten zahlen. Allerdings würde eine weitere kräftige Aufwertung der Landeswährung Real auch die Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors beeinträchtigen.

Die ausgezeichneten Produktionsbedingungen im Agrarsektor bedeuten für Brasilien einen komparativen Kostenvorteil, der dieses Land zusammen mit anderen Staaten Südamerikas im Rahmen einer natürlichen globalen Arbeitsteilung zu einem idealen Erzeuger und Liefe-ranten für Agrarprodukte vorbestimmt. Außerdem handelt es sich bei der Land- und Viehwirtschaft um eine erneuerbare Ressource.

Das Agrarpotential Brasiliens ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Auch ohne Abholzung des Amazonasurwalds könnte Brasilien seine derzeitigen Anbauflächen problemlos verdoppeln. Für das Jahr 2006 erwartet das staatliche Statistikinstitut IGBE einen Anstieg der Erntemenge von Körner-, Hülsen- und Ölfrüchten um 12 % auf 126,6 Mio t. Davon würden 58,7 Mio t auf Sojabohnen entfallen. Insgesamt wäre dies eine neue Rekord-Ernte.

Inzwischen ist Brasilien auch zum weltweit wichtigsten Hersteller von Ethanol (Alkohol-Treibstoff) geworden. Ein großer Teil der Zuckerernte geht in die Produktion dieses umweltverträglichen Treibstoffs. Rund 50 % der heute neu in Brasilien zugelassen Pkw können problemlos Ethanol und Benzin in beliebigen Zusammensetzungen verbrennen. Für die nächsten 7 Jahre planen brasilianische Unternehmen Investitionen von US$ 10 Mrd in den Ausbau der Ethanol-Produktion.

Insgesamt wird nur wenig mehr als ein Viertel der brasilianischen Agrarproduktion ausgeführt. Derzeitig ist der Agrobusiness-Sektor mit 31 % an den brasilianischen Exporten beteiligt. In den ersten zehn Monaten 2005 erzielte Brasiliens Land- und Viehwirte Ausfuhrerlöse von US$ 36,2 Mrd. Das waren 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Außerdem wurde bisher trotz einiger Exporteinbußen aufgrund der derzeitig im Süden des Landes grassierenden Maul- und Klauenseuche eine ansteigende Tendenz registriert.

Aus einer Abschaffung der Subventionen sowie der direkten und indirekten Importbarrieren in den Industrieländern würden der brasilianischen Land- und Viehwirtschaft handfeste Vorteile entstehen. Es gibt verschiedene Berechnungen über die Höhe des dann möglichen zusätzlichen Exportvolumens, die von jährlich US$ 3,4 Mrd (OECD) bis mehr als US$ 10 Mrd (Weltbank) reichen.

Sicher hätte eine Freigabe des EU-Agrarmarkts und ein Abbau der EU-Agrarsubventionen direkte soziale Auswirkungen in Europa, die aber durch personengebundene Beihilfen gemildert werden könnten. Die Dimensionen des Problems sind jedoch auf beiden Seiten des Atlantik sehr unterschiedlich. In Brasilien verdienen fast 30 % der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Dagegen sind in der EU nur etwa 5 % aller Erwerbstätigen im Agrarsektor tätig und in Deutschland sogar nur 1,6 %.

Noch rechtzeitig vor der nächsten Doha-Runde der WTO zur Verringerung der Hindernisse für den freien Welthandel haben die Verfechter der EU-Agrarmarktordnung inzwischen ein neues Argument gegen die Öffnung des europäischen Agrarmarkts gefunden: Zu ihnen gehört auch die französische Agrarministerin Christine Lagarde. Sie lehnen eine Liberalisierung auch mit dem Argument ab, aus einem Abbau der EU-Importzölle und Subventionen würden ja gar nicht die armen brasilianischen Bauern Nutzen ziehen, sondern vor allem die Großunternehmen dieses Landes.

Dem kann man sicher nicht widersprechen, obwohl auch viele mittelständische bäuerliche Betriebe im Süden Brasiliens von den neuen Geschäftsmöglichkeiten profitieren würden. Aber den Ton geben sicher Großunternehmen an. Beispiele für brasilianische Agrobusiness-Unternehmen, die in den letzten 10 bis 15 Jahren den Status von Playern auf dem Weltmarkt erreicht haben, sind Sadia (Geflügel) und Friboi (Rindfleisch).

Die Großunternehmen spielen eine wichtige Rolle in Brasiliens Agrobusiness. Sie sind hauptverantwortlich dafür, daß die Produktivität der brasilianischen Land- und Viehwirtschaft in den letzten 14 Jahren um 40 % angestiegen ist. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Arbeitgeber: Alleine Sadia beschäftigt direkt mehr als 40.000 Personen. Dies unterstreicht, daß es einen Trickle-Down-Effekt zum Nutzen der gesamten Bevölkerung gibt, auch wenn große Unternehmen am stärksten vom Export-Boom profitieren. Selbst dies widerlegt aber das neue Argument der Gegner einer EU-Agrarmarktliberalisierung nur zum Teil.

Wer die Aufrechterhaltung der EU-Agrarmarktordnung mit der Bedrohung durch brasilianische Großunternehmen begründet, verstrickt sich in eine gefährliche Argumentation, die auch die EU-Positionen in Hinblick auf eine weitere Liberalisierung des Zugangs europäischer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen nach Brasilien untergraben könnte. Denn aus einer solchen Argumentation müßte man den Schluß ziehen, daß Marktabschottung gegen ausländische Großunternehmen immer dann zulässig ist, wenn bei den kleineren einheimischen Unternehmen keine ausreichende Wettbewerbsfähigkeit gegeben ist. Prinzipiell müssen also auch brasilianische Großunternehmen des Agrobusiness-Bereichs eine reelle Chance haben, auf dem EU-Markt Gewinne erzielen zu können – nicht anders, als viele deutsche Industrieunternehmen schon seit Jahrzehnten in Brasilien.

Darüber hinaus bietet der brasilianische Agrobusiness-Sektor nicht nur einheimischen sondern auch ausländischen Unternehmen erstklassige Geschäftsmöglichkeiten. Das hohe Entwicklungspotential des Sektors haben Unternehmen wie Bunge, Cargill, Nestlé und das kanadisch-brasilianische Joint Venture Brascan längst erkannt. Aus Deutschland wird dagegen bisher nur zaghaft in diesem Boom-Sektor investiert. So will z.B. Nordzucker seine direkten Aktivitäten in Brasilien ausbauen. Einige andere deutsche Firmen, wie Fuchs Gewürze GmbH und Direct Fruit Marketing GmbH, unterhalten Plantagen in diesem südamerikanischen Land. Die Chancen für Direktengagements aus Deutschland sind also noch längst nicht ausgeschöpft.

Kontakt:

Ibero-Amerika Verein
Peter Rösler
stellv. Geschäftsführer
Alsterglacis 8
20354 Hamburg
Tel.: 040/4 13 43 13
Fax: 040/45 79 60




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